Bundesamt für Naturschutz

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Naturschutz

Vogelschutz kennt keine Grenzen

  • „Birds in a changing world“ – internationale Fachtagung in Deutschland
  • Veranstalter fordern besseren Transfer wissenschaftlicher Erkenntnisse
  • Gemeinsame Pressemitteilung mit dem Dachverband Deutscher Avifaunisten
Rauchschwalbe sitzend

Rauchschwalbe c Peter Troeltzsch

Halle (Saale), 06. September 2016: "BirdNumbers 2016 - Birds in a changing world" - so heißt das Motto der europäischen Konferenz des European Bird Census Council (EBCC), zu der etwa 250 renommierte Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler nach Deutschland gekommen sind. Dr. Kai Gedeon, Leiter des nationalen Organisationskomitees, zeigt sich hoch erfreut über das große internationale Interesse: "Die Teilnahme von Fachleuten aus über 50 Ländern unterstreicht den Pan-europäischen Ansatz des EBCC und verdeutlicht die wichtige Funktion der Tagung zur Vernetzung der Akteure."

Vögel reagieren sensibel und schnell auf Veränderungen ihrer Umwelt. Genau diese Eigenschaft macht sie zu begehrten Forschungsobjekten. Prof. Beate Jessel, Präsidentin des Bundesamtes für Naturschutz (BfN), hob in ihrem Eröffnungsvortrag hervor: "Es gibt vielfältige Gründe für Bestandsrückgänge bei einheimischen Vogelarten. Landwirtschaftliche Intensivierung, der Anbau von Energiepflanzen in Monokulturen und die Zerschneidung der Landschaft sind wichtige Faktoren, die sich bei uns negativ auf die Vogelarten der Agrarlandschaft auswirken. Demgegenüber stehen Erfolge im Artenschutz durch die konsequente Umsetzung von Schutzstrategien. Aus Sicht des BfN sind derartige Fachtagungen wichtig, um den internationalen Austausch zu fördern und dadurch Erfahrungen zum Schutz der Vogelwelt auszutauschen."

Diesen Erkenntnissen liegen mehrere Millionen Datensätze zugrunde, die zumeist von ehrenamtlich Aktiven erhoben werden. Europaweit sind es mehrere zehntausend und allein in Deutschland über fünftausend Hobby-Vogelkundige, auf deren Engagement sich die Wissenschaft verlassen kann. "Dank der großen Begeisterung, mit der viele Menschen unsere Vogelwelt systematisch erfassen, können wir bereits heute zahlreiche Ursachen, die dem Verlust der Artenvielfalt zugrunde liegen, benennen", betont der Niederländer Ruud Foppen, Präsident des European Bird Census Council. "Unser Vogelmonitoring und die darauf basierenden Erkenntnisse werden inzwischen in zahlreichen politischen Programmen berücksichtigt, sowohl auf Ebene der Europäischen Union als auch in den einzelnen europäischen Staaten."

Die Veranstalter der Konferenz mahnen an, dass die immer professioneller werdende Organisation des Vogelmonitorings in Deutschland inzwischen zwar vorbildlich sei, es aber immer noch an einer schnellen Umsetzung der Erkenntnisse auf politischer Ebene fehle. Gedeon ergänzt hierzu: "Wir sind heutzutage in der Lage, die aktuelle Bestandsentwicklung der in Deutschland vorkommenden Vogelarten zu dokumentieren. Wir schreiben die Roten Listen gefährdeter Vogelarten fort, benennen die Gefährdungsursachen und können sogar künftige Beeinträchtigungen abschätzen. Deshalb fordern wir deutliche Fortschritte beim Transfer wissenschaftlicher Erkenntnisse in politisches Handeln."

Hintergrund
Die 20. Konferenz des European Bird Census Council (EBCC) "Bird Numbers 2016 - Birds in a changing world" findet vom 6. bis 9. September 2016 in Halle an der Saale statt. Gastgeber sind der Dachverband Deutscher Avifaunisten (DDA), das Bundesamt für Naturschutz (BfN) und die Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg. In über 80 Fachvorträgen, acht Plenarvorträgen und etwa 70 Posterbeiträgen werden im Laufe der Konferenzwoche eine Vielzahl naturschutzfachlicher Themenkomplexe diskutiert. Thematische Schwerpunkte sind dabei die Auswirkungen des Nutzungs- und Landschaftswandels auf die Vogelwelt, sowie gemeinschaftliche europäische Initiativen und Projekte im Vogelmonitoring und Vogelschutz. Weitere Themenschwerpunkte stellen methodische Weiterentwicklungen und neuartige Analysemethoden sowie die Entwicklung von ornithologischen "Citizen Science" Projekten, wie z.B. des Online-Portals ornitho.de, dar.

Der EBCC ist das europaweite Netzwerk von begeisterten Vogelkundigen, er hat gemeinsame europäische Beobachtungsprogramme aufgebaut und stellt aktuelle Informationen zur Vogelwelt Europas bereit. EBCC-Konferenzen werden im dreijährigen Turnus ausgerichtet und bringen eine Vielzahl von Beteiligten des Vogelmonitorings, der ornithologischen Forschung sowie des Vogelschutzes in Europa zusammen.

Das Veranstaltungsprogramm und weitere Informationen (auf Englisch) finden Sie unter: www.birdnumbers2016.de

Ansprechpartner für individuelle Presseanfragen:

Malte Busch (DDA):